Straßenkatzen-Balingen e.V.

Appell an alle, die in den Landtag wollen

Appell an die Kandidatinnen und Kandidaten der Landtagswahl in Baden-Württemberg:
Zeit für eine landeseinheitliche Katzenschutzverordnung

Sehr geehrte Kandidatinnen und Kandidaten,

der Umgang mit streunenden Katzen ist in Baden-Württemberg längst kein Randthema des Tierschutzes mehr, sondern ein drängendes strukturelles Problem. In Städten wie im ländlichen Raum leben tausende verwilderte Katzen, die krank sind, hungern und sich unkontrolliert vermehren. Dieses Leid ist sichtbar – und dennoch fehlt bis heute eine landeseinheitliche politische Antwort.

Tierheime im ganzen Land arbeiten seit Jahren am absoluten Limit. Viele sind dauerhaft überbelegt, personell und finanziell überfordert und können kaum noch neue Tiere aufnehmen. Auch kleinere Tierschutzvereine und ehrenamtliche Initiativen, die sich speziell um streunende Katzen kümmern, sind längst an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen. Kastrationsaktionen, medizinische Versorgung und Notunterbringung werden häufig aus Spenden und persönlichem Engagement gestemmt – eine Situation, die weder nachhaltig noch verantwortbar ist.

Dabei ist die Lösung bekannt und fachlich unstrittig: Eine landeseinheitliche Katzenschutzverordnung, die eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen, eine verbindliche Registrierungs- und Kennzeichnungspflicht sowie eine klare Verpflichtung der Kommunen zur Versorgung streunender Katzen vorsieht. Andere Bundesländer und zahlreiche Kommunen zeigen bereits, dass solche Regelungen wirksam sind. Sie reduzieren langfristig Tierleid, entlasten Tierheime und senken öffentliche Kosten.

Besonders schwer wiegt in diesem Zusammenhang ein verfassungsrechtlicher Aspekt: Der Tierschutz ist seit 2002 im Grundgesetz verankert. Der Staat – und damit auch die Länder – ist verpflichtet, Tiere als Mitgeschöpfe zu schützen. Vor diesem Hintergrund ist es kaum nachvollziehbar, dass es in Baden-Württemberg bis heute keine landesweit einheitliche Regelung zum Schutz von Katzen gibt, obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist und sich weiter verschärft.

Ohne klare gesetzliche Vorgaben bleiben Kommunen überfordert, Zuständigkeiten unklar und der Tierschutz vom Engagement Einzelner abhängig. Das führt zu Flickenteppichen, Rechtsunsicherheit und vermeidbarem Leid. Eine landeseinheitliche Katzenschutzverordnung würde hier endlich Verbindlichkeit schaffen – für Tierhalter, für Gemeinden und für den Tierschutz insgesamt.

Wir appellieren daher eindringlich an Sie als Kandidatinnen und Kandidaten für den Landtag:
Machen Sie den Katzenschutz zu einem politischen Thema. Setzen Sie sich aktiv für eine landeseinheitliche Katzenschutzverordnung ein. Übernehmen Sie Verantwortung für ein Problem, das nicht von selbst verschwindet, sondern politisches Handeln erfordert.

Tierschutz ist kein „Nice-to-have“. Er ist Verfassungsauftrag – und Ausdruck einer verantwortungsvollen, zukunftsorientierten Politik.